Anja Thiede
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Der imaginäre Realismus der Anja Thiede

Fantasievolle Bildwelten, die den Betrachter dazu einladen, in die Leinwand hinein zu steigen, sich ausgiebigst umzuschauen und niemals gelangweilt durch die vielfältigen Figurationen zu schweifen...

Ein erster Gedanke zu den Arbeiten von Anja Thiede, einer Kölner Künstlerin, welche ihren ganz eigenen Stil gefunden hat und malerisch konsequent verfolgt. Aber was ist das Wesen dieser Werke und worin begründet sich die Faszination, welche sie ausstrahlen?

Filigrane und farbenfrohe Bildarchitektur, aus Licht und Schatten, bildet die Bühne, auf welcher die „Thiedies, wie die Künstlerin ihre Figuren nennt, sich tummeln. Geprägt von einer technisch anspruchsvollen, feinfühligen Zeichnung wirken die Figuren zunächst vorwiegend lustig. Assoziationen zur Karikatur mögen anklingen, wobei es aber auffällt, daß Anja Thiede sich ihren Figuren, ob Menschen oder Tieren, immer aus einer angenehm respektvollen, sogar liebevollen Perspektive nähert. Offener Zynismus oder würdelose Sequenzen entstehen nicht. Wohl aber laden die „Fabelwesen den Betrachter dazu ein, sie als Wesen zu hinterfragen, sie in ihrer frei komponierten Bildwelt mit seinen eigenen Erfahrungen des Lebens zu vergleichen. War es doch ein wesentliches Stilmittel Charly Chaplins hinter der vordergründig allgegenwärtig agierenden Fröhlichkeit, auch kritische Fragen zu den spielerisch anmutenden Personen oder Vorgängen zu erlauben. Die Auseinandersetzung mit seinen Inhalten zu fordern.

Innerhalb dieses positiv ausgerichteten Grundgedankens bewegt sich auch Anja Thiedes  Arbeit. Ein spontanes heiteres Erleben entsteht häufig beim ersten Kontakt mit den „Thiedies. Dennoch lassen sich in einigen Figuren und Bildsituationen auch die künstlerisch gelungene Umsetzung von Eitelkeit, Arroganz oder Peinlichkeit im besten Sinne schwarzen britischen Humors erkennen, welche die Künstlerin im Kontrast zur lustigen Präsentation in ihren Bildern leben läßt. Womit sie dem Betrachter eine unendlich anregende Kulisse, voller spannender Figuren, zum Zwecke seiner eigenen Interpretation übergibt. Authentisches Werk einer Künstlerin, der das Lachen im Leben genauso wichtig ist, wie in ihrer Kunst. Die aber bei aller Fröhlichkeit auch die kritische Auseinandersetzung mit den weniger lustigen Aspekten des Lebens malerisch in ihre ureigene Bildsprache zu übersetzen weiß.

Günter Limburg

August 2003

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